Statement MASK_Amarillo (Anti-Mondrian)



Die intermediale Installation MASK_Amarillo (Anti-Mondrian) ist eine weitere Variante der 2009 begonnenen MASK_Serie.

Eine postavantgardistische Position negiert nicht die Leistungen der modernen Avantgarden, sondern orientiert sich neu auf Basis einer kritischen Reflexion der Moderne bis heute.

Die einstmals wegweisenden Arbeiten von Piet Mondrian, ein Protagonist der klassisch-ästhetischen Moderne, sind ein typisches Beispiel für den modernen Reduktionismus. Einer Denktradition der alteuropäischen Philosophie folgend, schränkte Mondrian die Malerei auf sogenannte Grundelemente ein – auf die Primärfarben Gelb, Rot, Blau plus Schwarz und Weiß, horizontal und vertikal angeordnet -, die als Universalien Geltung haben sollen. Heute ist längst evident, dass es sich bei den vermeintlichen Universalien nicht um nicht weiter dekomponierbare Elemente handelt, sondern um Teile mit zirkulär-wechselseitiger Wirkung, die selbst einen hohen Komplexitätsgrad aufweisen. Das Fazit daraus lautet, dass Komplexität nur durch Komplexität reduziert werden kann. Die negativen Auswirkungen eines subjektzentrisch praktizierten Reduktionismus bzw. Essentialismus im Umgang mit Komplexitätsreduktion sind vor allem gesamtgesellschaftlich unübersehbar geworden.

„Beschleunigung in Richtung des Unvermeidlichen ist nicht nur eine impotente Bekundung des konservierenden-dissipierenden Geltungsbereichs des interiorisierten Horizonts, sondern auch eine konter-revolutionäre Falle, da der Horizont gegen alternative Weisen abgesichert wird, sich auf das universelle Absolute (alternative Arten der Offenheit) zu beugen“ (Reza Negarestani: Globus der Revolution. Eine Nachbetrachtung zum geophilosophischen Realismus. Merve Verlag Berlin 2013).

Die Konsequenz für eine avanciert zeitgenössische Kunstpraxis heißt demnach, unter der Prämisse einer „absoluten Kontingenz“ (Quentin Meillassoux) dem Trieb zum Offenen hin zu folgen. Als Methode des Schneidens verstanden, ist diese „nicht die Inzision und die Aufspaltung, sondern ein Löchern aus mehreren Standpunkten, sowie ein Verschachteln; es amputiert nicht, sondern transplantiert„ (Negarestani, ebd.).


Mondrian Eröffnungsausstellung der Neuen Nationalgalerie, Berlin 1968.